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Eine Notschlafstelle ist "kein ideales Umfeld für Kinder"

Wir haben uns mit Stefanie Volkenandt unterhalten. Sie ist Leiterin eines Schutzraumes für wohnungslose Mütter und ihre Kinder.



Eine Notschlafstelle ist "kein ideales Umfeld für Kinder"

Von Anna Ramskogler-Witt am 28.03.2017


Unser Projekt des Monats ist im März die „Kleine Ariadne“, ein „Schutzraum für wohnungslose Mütter und ihre Kinder“. Wir haben für Dich Stefanie Volkenandt, Leiterin des Projektes, interviewt. Sie gibt Einblicke in die Arbeit und Herausforderungen des Schutzraums. Hier kannst Du das Projekt ganz einfach mit Hilfe von goood unterstützen.

Der Schutzraum für wohnungslose Mütter unterscheidet sich deutlich von Frauenhäusern oder Obdachlosen-Einrichtungen. Warum ist dieses Projekt entstanden?

Der Schutzraum ist aus der Situation heraus entstanden, dass es nur ein Angebot einer Notschlafstelle für obdachlose Frauen gab. Hier finden obdachlose Frauen jeglicher Art Unterkunft. Das heißt aber auch, dass diese Notunterkunft kein ideales Umfeld für Kinder bieten kann, da sich hier auch immer Frauen aufhalten, die drogenabhängig sind oder an psychischen Erkrankungen leiden. Aus dieser Situation heraus hat unser Träger gemeinsam mit uns die Notwendigkeit gesehen, einen kindgerechten Schutzraum für obdachlose Mütter zu schaffen. Die „Kleine Ariadne“ ist eine geschützte Außenstelle der Notschlafstelle nur für wohnungslose Mütter mit Kindern und / oder schwangere Frauen. Aktuell verfügen wir über eine Wohnung, in der wir vier bis maximal fünf Frauen mit Ihren Kindern unterbringen können.

Wenn Sie sagen, dass Sie vier bis maximal fünf Frauen mit ihren Kindern unterbringen können, stellt sich mir die Frage, ob dieses Platzangebot ausreichend ist.

Das ist in der Tat wahr. Eigentlich gäbe es Bedarf für eine zweite Wohnung. Ich kann das auch gerne in Zahlen ausdrücken: Wir können weniger als der Hälfte der Frauen, die bei uns Schutz suchen, tatsächlich auch in der „Kleinen Ariadne“, unserer Wohnung, unterbringen. Die übrigen Frauen können wir leider gemeinsam mit ihren Kindern auch weiterhin nur in der regulären Unterkunft aufnehmen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Frauen aus, die in dem Schutzraum Bleibe finden?

Die Vergabe richtet sich danach, wer den Platz am dringendsten braucht. Das orientiert sich meistens am Alter der Kinder. Vor allem für junge Kinder ist der Schutzraum wichtig. Nur - wie bereits vorhin gesagt - reicht der Platz leider bei weitem nicht aus.

Was sind die Hauptgründe, warum Mütter mit Ihren Kindern zu Ihnen kommen?

Die Ursachen sind sehr individuell. Wenn ich einen Hauptgrund nennen müsste, dann ist es der, dass die Mütter mit Ihren Kindern bei Männern leben, ohne einen Mietvertrag oder einen Anspruch auf den Wohnraum zu haben und dann von den Männern - oftmals gewaltsam - vor die Tür gesetzt werden. Häufig sind Familie und Freunde sehr weit entfernt und oft ist auch kein Geld vorhanden.

Viele unserer Frauen beziehen, wenn Sie zu uns kommen, auch keine Unterstützung vom Staat. Oftmals sind sie auch mit den Behördengängen überfordert. Hier greifen wir auch helfend ein. Wir haben zwei Familienhelferinnen, die gemeinsam mit den Frauen deren Leben strukturieren, Behördengänge begleiten und ihnen helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Daher haben wir auch eine vergleichsweise hohe Erfolgsquote, wenn es darum geht, dass die Frauen wieder auf eigenen Beinen stehen. Hier muss man aber fairerweise auch sagen, dass Wohnraum für eine Familie erschwinglicher als eine Single-Wohnung und daher auch etwas leichter zu finden ist. Dennoch stellt der angespannte Wohnungsmarkt ein sehr großes Problem dar.

Was kann man selbst tun, wenn man eine obdachlose Frau mit Kindern sieht? Wie kann man ihr helfen und wie kann man das Projekt unterstützen?

Es gibt in jeder Stadt Behörden, die dafür zuständig sind. In Düsseldorf ist dies zum Beispiel die Beratung für Obdachlose. Man kann die Nummer über die Bürgerbüros erfragen. Außerhalb der Sprechzeiten kann man sich an die Polizei wenden, die dann Frauen an die Notschlafstelle vermittelt.

Uns konkret helfen zum einen Spenden, da wir aktuell gerne eine zweite Wohnung als Schutzraum realisieren würden. Aber auch ehrenamtliches, langfristiges Engagement hilft uns sehr. Wobei ich sagen muss, dass dies leider bei uns insofern schwierig ist, da wir oft sehr spontan agieren müssen. Das heißt, dass man vielleicht wochenlang nichts von uns hört, bevor man einen Anruf bekommt und wir nach spontaner Hilfe fragen. Wir sind immer dankbar für Hilfe bei Umzügen, bei Behördengängen und über Menschen, die unsere Frauen auch noch in der Zeit nach ihrem Aufenthalt bei uns weiter unterstützen und ihnen Mut zusprechen und Selbstvertrauen geben.

 

Vielen Dank für das Interview und den Einblick in Eure Arbeit, Stefanie Volkenandt!

Hier erfährst Du mehr zum Projekt und wie Du monatlich ganz bequem und unkompliziert helfen kannst:

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