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Hawar ist goood

Hawar.help engagiert sich für eine Welt, in der die Menschenrechte geachtet und in gegenseitiger Toleranz gelebt werden.



Hawar ist goood

Von Anna Ramskogler-Witt am 05.07.2017


#schweigenbeenden

Düzen Tekkal ist Gründerin und Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins HAWAR.help. Nachdem sie im August 2014 als Journalistin den Völkermord der Jesiden im Irak erlebte, gründete sie Hawar.help mit dem Bestreben, eine Welt zu schaffen, in der sich jeder Mensch unabhängig von Geschlecht, Ethnie oder Religion selbstbestimmt und in Sicherheit entfalten kann. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Information über Verfolgungssituationen das Bewusstsein der Gesellschaft für Konflikte und die Lebenssituation Verfolgter zu schärfen und sich aktiv in die Diskussion zu Lösungswegen einzubringen. Wir haben sie für Dich interviewt.

Liebe Düzen, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview genommen hast. Du wurdest über Nacht von einer Journalistin, zur Kriegsberichterstatterin, zur Menschenrechtsaktivistin. Wie kam das?

Im August 2014, als der sogenannte islamische Staat in der kurdisch/ nordirakischen Stadt Shingal eingefallen ist, habe ich mich gemeinsam mit meinem Vater von Deutschland aus auf den Weg in die jesidischen Siedlungsgebiete gemacht. Dort hat damals zeitgleich der IS gewütet. Die Kombination aus meinem Beruf und meiner jesidischen Herkunft ließ für mich keinen anderen Schluss zu als in diesen Krieg zu gehen.

Ich bin als Journalistin hingefahren und bin während meiner Dokumentation des Völkermords zur Kriegsberichterstatterin geworden und als Menschenrechtsaktivistin zurückgekehrt.

Vor Ort und auch danach habe ich mit vielen Frauen gesprochen und mir den Horror ihrer Erlebnisse angehört. Ich erinnere mich zum Beispiel noch ganz genau an ein junges Mädchen, das mir erzählte: „ISIS hat mich auf einem Sklavenmarkt verkauft ...Sie nahmen sich die Mädchen einfach, kauften sie oder missbrauchten sie dort, es gab auch Massenvergewaltigungen. Einige der Mädchen waren erst sieben Jahre alt. Ich war mental in schlimmster Verfassung und verstand nicht, warum sie uns das antun. Sie sagten uns, wir seien Schlampen, sie dürften alles mit uns machen.“

Erfahrungsberichte und Aussagen von Frauen aus IS Gefangenschaft wie diese, sind der Grund dafür, dass ich mich irgendwann dazu entschlossen habe, dass ich mehr tun muss für Humanität und Gerechtigkeit und gegen Extremismus und Terror. Deshalb habe ich 2015 den Menschenrechtsverein HAWAR.help gegründet. 

Was bedeutet HAWAR und worin siehst Du Deine Aufgabe?

„Hawar“ kommt aus dem kurdischen und heißt übersetzt „Hilfe", mittlerweile ist das Wort „Hawar“ bei uns Jesiden auch ein Synonym für „Völkermord".

Als Gründerin meines Vereins bin ich damals dem „Hilferuf" meiner Religionsangehörigen gefolgt, als ich mit eigenen Augen mitansehen musste, was mit Menschen passiert, die wegen ihrer Religion entmenschlicht werden. Damals habe ich mir und den Kindern und Frauen vor Ort versprochen, dass ich ihre Stimmen und Hilferufe hörbar machen werde. Und, dass ich aktiv für alle Menschen kämpfen werde, die unterdrückt und nicht gehört werden - unabhängig davon welcher Religion, Ethnie und Nation sie angehören.

Letzte Woche fand die erste HAWAR.help Frauenkonferenz im Deutschen Bundestag statt, bei der auch Angela Merkel sprach. Was hat das für Dich bedeutet? 

Für mich bedeutet es, dass der Hilferuf der Jesidinnen und aller Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt als Kriegswaffe sind, angekommen ist im deutschen Bundestag und bei unserer Kanzlerin Dr. Angela Merkel. Das bedeutet mir viel, weil es ein langer steiniger Weg war. Aber wir haben nie aufgegeben. Ich habe nicht aufgegeben, weil ich nie wieder vergessen kann, was den Frauen und Kindern widerfahren ist. Diesen Schmerz darüber habe ich in Kraft und Entschlossenheit umgewandelt, dass die Welt davon erfahren muss, was dort im Irak und sonst auf der Welt mit Frauen und Kindern passiert. Viele kennen jesidische Frauen mittlerweile als Opfer aus IS-Gefangenschaft. Mit dieser Veranstaltung wollten wir zeigen, dass Jesidinnen auch Akteure sind und die Frauen aus IS-Gefangenschaft „Überlebende" sind, die selbstbestimmt ihre Stimme erheben, um zu erzählen, was ihnen widerfahren ist. Das ich in einem Land lebe, wo so ein Mut so respektiert wird, zeigt, dass auf höchster Regierungsebene darauf reagiert wird auch weil unsere Bundeskanzlerin zugegen war. Das macht mich als deutsche mit jesidisch/ kurdischen Wurzeln sehr, sehr stolz.   

Was motiviert Dich jeden Tag weiterzumachen?

Die Erkenntnis, dass wir gebraucht werden und das Versprechen, dass wir helfen wollen. Aber auch der Fakt, dass in diesem Moment 3500 Frauen noch in IS-Gefangenschaft sind, lassen uns nicht ruhen.  

Auch wenn es oft sehr herausfordernd ist, habe ich nicht das Gefühl, dass das was wir tun umsonst ist.

Im Gegenteil wir bewegen wirklich was und das gibt uns trotz der Schwere des Themas Hoffnung. 

Was würdest Du jemanden empfehlen, der sich engagieren möchte? 

Einen langen Atem und Beharrlichkeit haben, einstweilen scharfen Gegenwind zu akzeptieren und nicht aufzugeben. Es gibt viele Bedenkenträger auf dem Weg, ich habe das immer weitestgehend ignoriert, weil ich tief davon überzeugt bin, dass das was wir tun richtig ist. Was soll daran falsch sein, in Zeiten wie diesen für Demokratie - Menschen- und Frauenrechte einzustehen? Seht ihr, sehe ich genauso. :)    

Liebe Düzen, vielen Dank für dieses Interview und noch viel mehr für Deine Arbeit!

 

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