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So helfen Johanniter weltweit

Johanniter Tommy Ramm ist goood. Er hat mit uns über seine Einsätze im Südsudan und in Simbabwe gesprochen.



So helfen Johanniter weltweit

Tommy, Du arbeitest für die Johanniter im Bereich der Auslandshilfe. Wie engagieren sich die Johanniter im Ausland und wo sind eure Schwerpunkte?

Den Johannitern geht es in erster Linie darum, das Überleben von Menschen zu sichern, die von Krieg oder Katastrophen betroffen sind. Insbesondere nach großen Katastrophen schicken wir unsere ehrenamtlichen Soforthelfer für die medizinische Unterstützung in die betroffenen Gebiete. Fast immer bleiben wir danach vor Ort aktiv, um den Menschen auch langfristig zu helfen und sie zu unterstützen, in Zukunft besser auf potentielle neuen Notlagen vorbereitet zu sein. Das kann beispielsweise durch landwirtschaftliche Unterstützung zur Ernährungssicherung, durch den Aufbau von Gesundheitsstationen in entlegenen Gebieten oder durch Aufklärung über einfache Hygieneregeln geschehen. Viele Ansätze greifen ineinander und haben immer den Menschen in Mittelpunkt, der gestärkt aus seiner Notlage herauskommen soll.

 

Das klingt nach wichtigen und großartigen Initiativen. Du bist gerade aus dem Südsudan zurückgekommen, wo du einige Projekte der Johanniter besucht hast. Kannst Du uns kurz erklären, warum gerade jetzt im Südsudan Hilfe so dringend notwendig ist?

Im Südsudan erleben wir gerade die am schnellsten wachsende humanitäre Krise auf der Welt. Die Zeit rennt den hungernden Menschen dort davon. Jeder vierte Südsudanese ist mittlerweile wegen des dort stattfindenden bewaffneten Konflikts auf der Flucht. Sie suchen meist ohne eigene Nahrungsmittelreserven Schutz in entlegenen Gebieten. Eigene Ernten können sie nicht mehr einfahren, weil sie ihr Land verlassen mussten. Erschwerend kommt die Dürre der letzten Monate hinzu. Sie sind auf externe Hilfe angewiesen. Viele Menschen können momentan noch erreicht werden, aber sobald in den kommenden Wochen die Regenzeit beginnt, bleiben die Hilfen wegen unbefahrbarer Straßen aus und es droht eine Ausweitung der Hungersnot. Mit dem Regen kommt also der große Hunger. Deswegen müssen jetzt Reserven angelegt werden.

 

Ihr seid bereits seit 2012 vor Ort aktiv und helft im Rahmen von vielen Projekten. Welche hast du Dir angesehen und wie war Deine persönliche Erfahrung?

Ich habe eine Region im Westen des Landes besucht, in der wir sowohl Nothilfe-Projekte als auch langfristige Maßnahmen zur Ernährungssicherung durchführen. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass uns die Menschen und die lokalen Institutionen vor Ort vertrauen. Das tun sie, weil sie uns und die Arbeit unserer Partnerorganisationen bereits seit Jahren kennen. Ich habe gesehen, dass man mit vermeintlich wenigen Dingen sehr viel bewegen kann. Ein Bauer, der in einem Projekt vor zwei Jahren durch Beratung, Saatgut und ein paar Hühner unterstützt wurde, zeigte mir stolz sein neues Kalb aus seiner kleinen Rinderherde, die er durch seine Arbeit und den Verkauf seiner Produkte züchten konnte. Die Menschen können und wollen produktiv sein.

 

Was war bei Deiner Reise Dein beeindrucktestes Erlebnis?

Wie nahe Glück und Unglück beieinander liegen können. Ich habe mir in einem Flüchtlingslager in der Stadt Wau die Geschichte einer stolzen Mutter von fünf Kindern angehört, die ihren Mann und ihr Haus verloren hat, nachdem ihr Dorf Anfang 2017 angegriffen wurde. Jetzt überlebt sie unter einer Plane im Staub. Eine andere Frau wenige Kilometer nördlich zeigte mir in einer friedlichen Atmosphäre, wie sie Gemüse anpflanzt und sich die Situation ihrer Familie verbessert hat. Im Grunde waren die Konstellationen beider Mütter ähnlich. Das Schicksal in Form des Krieges schlägt irgendwann willkürlich irgendwo zu. Die erste Frau war zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir Johanniter leisten für die erste Frau durch das Bereitstellen von Zusatznahrung Nothilfe, der anderen Frau helfen wir mit unseren langfristigen Landwirtschaftsprojekten. Beides unter Risiko und ohne Gewissheit, wie lange wir dieses im Südsudan noch tun können.

 

Wie kann man Euch von hier aus unterstützen, vor Ort diese wichtige Hilfe zu leisten?

Die Hilfe fängt im Kopf an. Wichtig ist in allererster Linie, dass sich keine Gleichgültigkeit durchsetzt. Gerade bei solch langen Konflikten wie im Südsudan oder in Syrien ist das Risiko dafür hoch und die Aufmerksamkeit nimmt bei allen von uns ab. Praktisch helfen kann man uns natürlich mit zweckgebundenen oder freien Spenden. Insbesondere freie Spenden geben uns bei der Entscheidung, wo auf der Welt gerade welches Geld am sinnvollsten eingesetzt werden kann, mehr Spielraum. Zweckgebundene Spenden sind einem Land oder einer Katastrophe zugeordnet.

 

Du warst für die Johanniter im Rahmen Deiner Reise auch in Simbabwe und hast ein vor fünf Jahren bereits abgeschlossenes Projekt besucht. Es war sicherlich spannend zu sehen, wie es weitergegangen ist, wenn ein Projekt bereits abgeschlossen war. Welche Eindrücke und Erfahrungen konntest Du dabei sammeln?

Ich kannte dieses beeindruckende Land noch nicht und auch nicht unser Team vor Ort. Meist ist durch vielfältige Projektaktivitäten kaum Zeit vorhanden, sich längst abgelaufene Projekte noch einmal genauer anzusehen und zu überprüfen, wie viele der umgesetzten Maßnahmen noch immer Wirkung entfalten. Auch wir Hilfsorganisationen lernen tagtäglich aus Fehlern und verbessern so unsere Arbeit. Dafür sind solche Momente da. Es hat mich in diesem Moment sehr berührt, mit welcher Hingabe unser Projektmanager vor Ort die damaligen Projekte kritisch begutachtet und die Ergebnisse abgewogen hat. An einem Verbrennungsofen für medizinische Abfälle in einer Klinik hatte sich ein technischer Fehler eingeschlichen. Er hatte monatelang getüftelt und sich Nächte um die Ohren geschlagen, um diesen Fehler zu beseitigen. Am Ende ist ihm mit wenig finanziellem Mehraufwand die Modifizierung gelungen und er funktioniert auch heute noch einwandfrei. Für mich sah es wie ein einfacher Ofen aus, für ihn war es das Ergebnis eines monatelangen Ringens um eine Lösung, die letztlich zu einer wichtigen Verbesserung im Hygienebereich führt. Diese ist eine Einstellung, die wir vor Ort brauchen. Und solche beeindruckenden Menschen gibt es in allen Ländern, in denen Krisen und Chaos herrschen.

 

Wie kann man sich bei Euch aktiv engagieren?

Man kann unsere Arbeit durch Spenden finanziell unterstützen, damit wir vor allem die Kontinuität langfristiger Projekte sichern können. Wer uns aber konkret praktisch unterstützen möchte, kann bei uns ein ehrenamtlicher Soforthelfer werden, der im Katastrophenfall in den Einsatz geht. Wir suchen überwiegend Fachpersonal aus dem medizinischen Bereich, aber Expertise beispielsweise aus dem IT- oder Logistikbereich sind ebenso gefragt. Mehr Informationen dazu kann man auch auf der Website der Johanniter-Auslandshilfe erhalten.

 

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Von Anna Ramskogler-Witt am 12.05.2017

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