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Kiron - revolutionäres Online-Lernen für Geflüchtete

Die Idee hinter Kiron: Geflüchtete Studierende können sich unbürokratisch für ein Studium registrieren und bekommen Zugang zu Massive Open Online Courses (MOOCs) um ihr Studium weiter fortsetzen zu können. Das Ganze ohne Gebühren. Nach bis zu zwei Kursjahren sollen die Online-Examina von deutschen Partner-Hochschulen anerkannt werden, sodass die Teilnehmer an der jeweiligen Hochschule ein Regelstudium absolvieren können.

Wir haben heute Markus Kreßler, Mitbegründer des social start-ups „Kiron Open Higher Education“ für Dich interviewt.



Kiron - revolutionäres Online-Lernen für Geflüchtete

Von Anna Ramskogler-Witt am 06.09.2017


Schön, dass wir uns zu Eurer preisgekrönten Initiative heute austauschen können.

Wie kann ich mir Eure Organisation vorstellen? Seid Ihr eine Art Fern-Uni?

Wir sind eine Bildungsplattform für Geflüchtete, eine Art Brücke, die einen gleitenden Übergang ins Hochschulstudium ermöglicht. Wir sind daher auch keine Fern-Uni, da die Hochschulen mit Abschluss des Studiums die anerkannten Abschlüsse verleihen. Unser Ziel ist, Geflüchteten den Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Mein Partner Vincent hatte die ursprüngliche Idee. Er hatte bereits mehrere Unternehmen gegründet und meinte eines Tages: „Lass uns eine Art „Schnupperuni“ für Geflüchtete gründen.“ Vincents Großvater flüchtete vor 40 Jahren nach Deutschland, wollte hier studieren und stand vor ähnlichen Hindernissen wie Geflüchtete heute. Er hatte keine Papiere, kein Geld und musste mit der Sprachbarriere kämpfen. Bei ihm hat es glücklicherweise am Ende geklappt. Ich arbeitete damals mit Geflüchteten zusammen, kannte ihre Probleme und fand die Idee vom ersten Moment an großartig.

Wie genau funktioniert das System Kiron?

Bei uns studieren aktuell ca. 2700 geflüchtete Menschen. Man kann sich ganz einfach bei uns online anmelden und erhält dadurch einen Zugang zu kuratierten Modulen, die größtenteils auf Englisch zur Verfügung stehen. Die Module bestehen aus begleiteten Online-Kursen, die von namhaften Universitäten wie z.B. Harvard für ihre Studierenden entwickelt wurden.

Wir bieten fünf Studiengänge an. Kiron Studierende lernen bis zu zwei Jahre online und können sich dann an einer Hochschule bewerben, wo ihnen bis zu 60 ECTS-Punkte angerechnet werden können.

Wir begleiten unsere Studenten jedoch während ihrer Zeit bei uns intensiv online und wenn möglich auch offline. Im Moment haben wir Partnerschaften mit Hochschulen vor allem in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Jordanien. Es ist in der Regel einfach, an eine unserer Partnerhochschulen zu wechseln, um dort in durchschnittlich zwei Jahren den Bachelor abzuschließen, denn diese kennen unser Lernprogramm. Rein theoretisch kann man sich nach seiner Zeit bei Kiron aber auch an jeder anderen Hochschule für ein Studium bewerben.

Gibt es eine bestimmte Erfolgsgeschichte, die man als Beispiel für den Erfolg Eures Projektes erzählen könnte?

Wir sind gerade in unserem ersten Zyklus. Das bedeutet, dass die ersten Studierenden jetzt im Herbstsemester an Hochschulen in das Präsenzstudium wechseln. Besonders gefreut hat uns, dass wir einzelne Studierende hatten, die so erfolgreich waren, dass sie das Programm schneller absolviert hatten und mit einem Stipendium bereits vor der Regelzeit an eine Universität wechseln konnten.

Was waren bisher die größten Herausforderungen für Euch?

Für mich sind das zwei Dinge. Zum ersten ist das Online-Studium eine besondere Herausforderung. Wenn man sich die Zahlen von anderen Programm anschaut, erkennt man, dass nur sehr wenige Kandidaten tatsächlich ein Studium abschließen. Genau das möchten wir aber verhindern. Deshalb unterstützen wir unsere Studierenden bestmöglich durch eine persönliche Betreuung, in Foren oder durch die Bereitstellung von ausführlichen Informationen. Das beansprucht aber gleichzeitig auch unglaublich viele Ressourcen. Und damit kommen wir auch gleich zum nächsten Thema. Die Plattform nachhaltig zu finanzieren ist sicherlich eine weitere große Herausforderung.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Das sind viele Dinge! Ich wünsche mir, dass sich die Lebenssituation unserer Studierenden in Deutschland und woanders noch wesentlich stärker verbessert. Vielen fehlt zum Beispiel ein Internetzugang, um regelmäßig unser Online-Angebot wahrnehmen zu können. Häufig ist ein Zugang zum Internet dann auch mit hohen Fahrtkosten und viel Aufwand verbunden. Wir versuchen dort, wo wir viele Studierende haben, Lernorte einzurichten. Aber das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ebenso versuchen wir, Studierenden Computer zur Verfügung zu stellen.

Wie kann man euch unterstützen?

Immer gerne in Form eines Ehrenamts, beispielsweise durch die Betreuung von Studierenden im Rahmen von Mentoren-, Buddy- oder Sprachprogrammen. Es ist wichtig für die Studierenden, Menschen an ihrer Seite zu haben, die sie begleiten, mit denen sie sich austauschen können und die ihnen bei Fragen weiterhelfen.

Darüber hinaus sind wir immer für Empfehlungen an Universitäten und Firmen dankbar. Es geht dabei nicht immer nur um Geld, sondern häufig auch um Hilfe zum Beispiel bei Mentoring-Programmen. Wir freuen uns über alle Kontakte, bei denen Interesse besteht, mit Geflüchteten zu arbeiten. Denn allein sind wir nicht so stark wie mit der Unterstützung von vielen.

Wie entsteht aus einer Idee ein reales Projekt?

Einfach anfangen! Wir haben nicht lange gefackelt, sondern im Grunde einfach angefangen. Dabei wussten wir zum Glück nicht von Anfang an, wie groß die Herausforderungen sein werden. Aber das macht nichts. Jeder kleinere Erfolg motiviert und spornt an, immer weiter zu machen. Man darf nur keine Angst haben zu scheitern. Denn auch beim Scheitern in einer Situation, wird man für alles weitere wichtige Dinge lernen!

Lieber Markus, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview genommen hast.

 

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